Lehrreiche Wochen am Feuerwehrhaus

Nachdem wir am Freitag den 23.11.2018 unser neues Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF20) in Empfang genommen haben, begann bereits am Samstag und Sonntag die Einweisung für unsere Maschinisten und Gruppenführer.

Dabei wurden jeweils 3 Gruppen gebildet und das neue Fahrzeug genau unter die Lupe genommen.

Eine Gruppe beschäftigte sich intensiv mit der neuen Feuerlöschkreiselpumpe im Fahrzeug. Da die Pumpe nun über einen Bildschirm gesteuert wird, war dies etwas Neues für unsere Maschinisten. Es wurden alle Funktionen, die bei dem neuen HLF 20 möglich sind angesprochen und anschließend in die Praxis umgesetzt. Wie zum Beispiel die Wasserentnahme aus unserem 2.000 Liter Tank im Fahrzeug, Wasserentnahme aus einem Hydranten oder Schmutzwasserentnahme aus einem Brunnen. Unser HLF 20 verfügt nun auch über einen fest verbauten 125 Liter Schaumtank, der er uns ermöglicht, in nur wenigen Sekunden Schaum am Brandherd einzusetzen. Dies konnten wir jedoch aus rechtlichen Grundlagen nicht durchführen. Für die Maschinisten war es wichtig, die neue Pumpe im Ernstfall ohne große Bedenken einsetzen zu können, was sie unter dieser Einweisung auch bewiesen.

Die zweite Gruppe erkundigte das gesamte Fahrzeug und begutachtete besonders unsere neuen Gerätschaften. Hier war es uns wichtig, dass sich jeder Maschinist und Gruppenführer den Platz jedes Gerätes einprägt, damit im Ernstfall schnell gehandelt werden kann. Neu für unsere Kameraden sind z.B. die Hebekissen zum Heben schwerer Lasten, ein Überdrucklüfter zum Entrauchen von Gebäuden, Stabfast zum Sichern von Fahrzeugen nach Verkehrsunfällen, ein Wasserwerfer und noch diverse Kleingeräte.

Die dritte Gruppe setzte sich mit der neuen Kabine auseinander. Dabei wurde ihnen gezeigt wie die Blaulicht Anlage mit Martinshorn funktioniert. Bei einer Einsatzfahrt mit Blaulicht besteht die Möglichkeit über einen Fußtaster das Martinshorn aktiv zu schalten. Des Weiteren hat der Maschinist die Möglichkeit, über ein Display verschiedene Funktionen anzusteuern (Blaulicht, Martinshorn, Umfeldbeleuchtung etc.). Außerdem verfügt das Auto über einen Einsatzstellentaster, der alle Funktionen aktiviert, die zum Absichern und sicheren arbeiten um das Fahrzeug nötig sind. Da unser HLF 20 über ein Automatikgetriebe mit permanentem Allradantrieb verfügt, wurden alle Automatikschaltstufen erläutert wie z.B. der normale Automatikbetrieb, Sport oder fahren in unwegsamem Gelände.

 

In der darauf folgenden Woche wurden von Montag bis Samstag alle weiteren aktiven Feuerwehrmänner und unsere Jugendfeuerwehrler in das neue Fahrzeug eingewiesen.

Es war uns ein Anliegen, dass jeder Feuerwehrmann das komplette neue Feuerwehrauto in Augenschein nehmen konnte und er eine Einweisung über die Unterbringung der verschiedenen Gerätschaften im Auto bekam. Den Einweisern war es wichtig, dass sich jeder Feuerwehrmann die Gerätschaften anschauen konnte und sich die Unterbringung im HLF20 einprägte bevor damit geübt wird.

In der folgenden Woche wurden wieder Montag bis Samstag Übungen abgehalten und den Kameraden vor allem die neuen Gerätschaften näher gebracht.

Wie auf den Bildern zu sehen ist wurde z.B. eine Rettungsplattform aufgebaut. Die Technische Hilfeleistung nach Unfällen von Lkw, Bussen oder Schienenfahrzeugen macht es regelmäßig notwendig, dass Einsatzkräfte mit hydraulischem Rettungsgerät auf bis zu 3 Meter Höhe arbeiten müssen. Rettungsplattformen sind insbesondere bei Lkw-Unfällen unbedingt notwendiges Equipment, um eingeklemmte Fahrer innerhalb der goldenen Stunde aus dem Fahrerhaus zu befreien.

Außerdem wurde den Feuerwehrlern der Umgang mit den für uns neuen Hebekissen gezeigt. Hebekissen werden zum Anheben schwerer Lasten, Spreizen, Drücken, Ausrichten schwerer Bauteile verwendet. Sie werden standardmäßig mit Druckluft befüllt. In der Eiweisung hoben wir einen Streugutbehälter hoch. Dabei ist darauf zu achten, die zu hebende Last immer zu sichern. Dies geschieht beispielsweise durch das permanente Unterbauen mit Holzbrettern und –keilen.

Bereits am Mittwoch den 05.12.2018 durften wir eine größere Übung mit dem bayerischen Staatsforst Wasserburg am Inn und dem BRK im Forst auf Höhe Schützing abhalten. Der Bayerische Staatsforst muss jedes Jahr eine Realitätsnahe Rettungsübung durchführen. Wir wurden gefragt bei dieser Übung mitzumachen was wir natürlich sehr dankbar annahmen. Wir wurden dazu zu einem Waldunfall mit „eingeklemmter“ Person unter dem Baum „alarmiert“. Unsere Aufgabe war es, den eingeklemmten und schwer verletzten Forstarbeiter unter ständiger Absprache mit dem BRK zu befreien. Dabei kam unsere neue Säbelsäge zum Einsatz, die es uns ermöglichte ohne größeren Lärm, Abgase und Gefahrenpotential die Äste am verunglückten zu beseitigen. Währenddessen wurde der Baum mit Hölzern gegen abrollen und einknicken abgesichert, bevor wir dann mit unserem Hebekissen den Baum hoch heben konnten und den verletzten Waldarbeiter befreien konnten.

Es war für uns eine sehr lehrreiche Übung für die wir uns nochmal sehr bedanken wollen.

Da nun alle Feuerwehrkameraden in das neue HLF 20 eingewiesen sind, wird das Auto Ende dieser Woche bei der Integrierten Leitstelle Traunstein gemeldet, sodass wir zukünftig unsere Einsätze mit diesem Fahrzeug abwickeln können.

 

veröffentlich am  18.12.2018
geschrieben von: Joachimbauer A.
 

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